Artikel vom 13.06.2015
Vorbereitung schwieriger Gespräche: Tipps für CRAs Das Forschungsdock summary

Vorbereitung schwieriger Gespräche: Tipps für CRAs

Als Grundhaltung für das Führen schwieriger Gespräche bewährt sich eine kooperative Gesprächsführung, in der das Gegenüber in seiner Rolle und Funktion ernst genommen und respektiert wird. Es empfiehlt sich der Versuch, sich in die Situation des Gegenübers hineinzuversetzen und dessen ‚Inneren Bezugsrahmen’ [nach Carl Rogers] zu beachten.

Unter dem ‚Inneren Bezugsrahmen’ einer Person versteht man, dem konstruktivistischen Ansatz folgend, dessen subjektive Realität. Konkret bezogen auf die Situation im Rahmen des Klinischen Monitorings heißt dies:

  • In welchem beruflichen Umfeld bewegt sich mein Gegenüber (Klinik, Praxis, professionelles Studienzentrum; Arzt, Study Nurse; Chefarzt, Assistenzarzt etc.)?
  • Wie ist ihre/seine momentane Arbeitsbelastung (Schichtdienst, Durchführung einer/mehrerer klinischer Prüfungen neben der Routinearbeit etc.)?
  • Wie nimmt sie/er diese wahr (gelassen, interessiert, motiviert, gereizt, angespannt, gestresst etc.)?

Es wird zwar nicht möglich sein, diese Wahrnehmung des Gegenübers in Gänze zu erfassen (oftmals ist das Gegenteil der Fall, und nur Bruchstücke können wirklich erfasst werden) - aber durch den Versuch, durch die Augen des anderen zu schauen, kann eine hilfreiche Annäherung erfolgen und Verständnis aufgebaut werden. Der Versuch, sich mit der Realität des Anderen auseinanderzusetzen, erleichtert die eigene Entscheidung für das Vorgehen im Gespräch und die konkrete Formulierung von z.B. als kritisch empfundenen Inhalten. Für die meisten CRAs wird dies im Falle der Study Nurse wahrscheinlich einfacher sein, da diese für den CRA der primäre Ansprechpartner in der Prüfstelle ist. Der Arbeitsbereich ist für den CRA dadurch einfacher zu überblicken, und in der täglichen Arbeit an der klinischen Prüfung (Monitorbesuche, Telefonate, eCRF Remote Monitoring) gibt es meist mehr Berührungspunkte mit den Study Nurses als mit den Prüfern. Auch unterscheiden sich die Inhalte eines Gesprächs mit Prüfer/ärztlichem Mitglied der Prüfgruppe bzw. Study Nurse allein schon aufgrund der unterschiedlichen Aufgaben der Akteure an der Prüfstelle voneinander. Während mit der Study Nurse vorrangig operative Aspekte der Studiendurchführung (z.B. eCRF-Eintragungen, Drug Accountability, generelle Organisation der Studie) besprochen werden, sind häufig Thema von Gesprächen mit den Prüfern z.B. Patientenrekrutierung, Dokumentation medizinischer Befunde oder Interpretation von Quelldokumenten zur Identifizierung Unerwünschter Ereignisse.

Auch Zeit und allen Beteiligten bekannte Definitionen und/oder Vokabular spielen eine Rolle für die Gesprächsführung. So arbeiten Prüfteams in den meisten Fällen parallel an mehreren Studien und/oder müssen Routinearbeiten in Klinik und/oder Praxis wahrnehmen. Auch CRAs haben für die Durchführung ihrer Besuche vor Ort inzwischen klare Zeitvorgaben seitens des Sponsors, von denen selten abgewichen werden kann. Durch diese Arbeitsauslastung und Zeitknappheit auf beiden Seiten wird es  möglicherweise grundsätzlich schwierig, sich Zeit für ein Gespräch zu nehmen – und schwierige Gespräche unter Druck zu führen ist für alle Beteiligten eine größere Herausforderung als in einer entspannten Atmosphäre. Des Weiteren ist eine klare Kommunikation, bei der beide Kommunikationspartner das gleiche (Fach-) Vokabular nutzen, erforderlich, um störungsarm oder –frei ans Ziel zu kommen. Studienspezifische Ausdrücke zu erläutern und der Study Nurse im Dschungel aus Anglizismen ungefragt zur Seite zu stehen, fördern einen respektvollen Umgang.

Wichtig ist in jedem Fall, sich das Ziel des Gesprächs vorbereitend klar zu machen und dieses Ziel in der Kommunikation zu verfolgen. Schwierige Gespräche vorzubereiten beinhaltet daher für den Klinischen Monitor

  • eine klare Formulierung des Gesprächsziels,
  • eine Vorabklärung der Möglichkeiten eines Kompromisses mit z.B. dem Projektleiter (Was ist verhandelbar und wo können keine Abweichungen erlaubt werden?) sowie
  • eine differenzierte Auseinandersetzung mit der potenziellen Situation des Gegenübers, also zu versuchen, die Situation mit den Augen des Anderen zu betrachten.

(aus: Klinisches Monitoring: Schwierige Gespräche vorbereiten, führen und reflektieren. Ortland C. Pharm. Ind. 2013 Juli (75): 1101 - 1106), Photo: Hiero  / pixelio.de


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