Artikel vom 26.05.2016
Aktives Zuhören im Berufsleben - auch beim Monitoring? Das Forschungsdock summary

Aktives Zuhören im Berufsleben - auch ein Thema beim Klinischen Monitoring?

 Im Berufsleben gehört das Aktive Zuhören zu den Methoden eines partnerschaftlichen Führungsstils: Ein Vorgesetzter, der seine Mitarbeiter zur selbständigen Lösung von Problemen in ihrem Verantwortungsbereich ermutigen möchte, kann das aktive Zuhören gezielt einsetzen, wenn solche Probleme ihm gegenüber geschildert werden (meist in der Hoffnung um Stellungnahme oder Entscheidungshilfe). Durch aktives Zuhören signalisiert er Verständnis und Interesse für das Problem des Mitarbeiters und das Vertrauen in ihn, dieses Problem aus eigener Kraft lösen zu können. Auch dann, wenn der Vorgesetzte merkt, dass Probleme im Team bestehen, diese aber nicht gelöst werden, kann er durch aktives Zuhören die Teammitglieder in Einzelgesprächen zur Reflexion und Lösung ihrer Probleme ermutigen, ohne sich selbst einzumischen.

Klinische Monitore arbeiten meist intensiv mit der Study Nurse eines Prüfzentrums zusammen, und im Laufe einer Studie kann sich aus dem Arbeitsverhältnis eine persönliche oder sogar freundschaftliche Beziehung entwickeln. Diese besondere Beziehung kann zu speziellen Situationen führen, bei dem aktives Zuhören eine wichtige Rolle spielt: zu Gesprächen über Probleme, welche nicht unmittelbar im Zusammenhang mit der gemeinsamen Arbeit stehen, diese aber beeinträchtigen können. Wenn zum Beispiel klinik- oder praxisinterne Probleme, Teamstrukturen oder kollegiale Beziehungen Gegenstand solcher Gespräche sind, ist der CRA als ‚Außenstehender‘ nicht in der Position, zur Lösung dieser Probleme beizutragen. Wenn ihm trotzdem die Anteilnahme am Problem der Study Nurse wichtig ist, kann er sie - ähnlich wie eine Führungskraft - durch aktives Zuhören zum Sprechen über die Probleme ermutigen und damit vielleicht den Anstoß geben, selbst Lösungsmöglichkeiten zu entwickeln.  

Aktiv Zuhören kann man nicht unbedingt in jeder Situation, denn da sich beide Gesprächspartner auf eine sehr persönliche Ebenen begeben, gehören Störungsfreiheit und Ruhe zu den wichtigsten Voraussetzungen. Außerdem ist aktives Zuhören durchaus nicht üblich, so dass es sein kann, dass der Versuch beim Gegenüber Irritationen auslösen kann. Grundsätzlich müssen das Vertrauen und die Bereitschaft des Feedback Nehmenden, sich auf ein solches Gespräch einzulassen, gegeben sein und sollten zunächst durch sogenannte ‚Türöffner‘ behutsam in Erfahrung gebracht werden: „Sie wirken besorgt. Ich habe gerade ein wenig Zeit, möchten Sie darüber reden?“ Doch auch der Feedback Gebende kann nur dann aktiv zuhören, wenn er Empathie für seinen Gesprächspartner empfindet, selbst in einem ausgeglichenen inneren Zustand ist und Zeit und Ruhe für das Gespräch aufbringen kann. Wer aktiv zuhören möchte, entscheidet sich bewusst dafür, diesem Gespräch Priorität einzuräumen und alles andere für eine Weile hintanzustellen.

 Zurückhaltung ist geboten, wenn die Reaktion eines Gesprächspartners vermuten lässt, dass das Problem auf der gegenseitigen Beziehungsebene zu suchen ist. Das zugrunde liegende Beziehungsproblem zu lösen liegt in der Verantwortung beider Kommunikationspartner. Würde der CRA in einem solchen Fall durch aktives Zuhören versuchen, die Konzentration beider Akteure auf die Gefühle der Study Nurse zu lenken, würde er damit gleichzeitig den eigenen Beitrag zum Problem negieren und bei der Study Nurse eventuell auch noch Schuldgefühle verursachen. Sobald also die Beziehung der Gesprächspartner Gegenstand des Problems ist, ist aktiv Zuhören nicht zur Lösung des Problems geeignet.

(Foto: © lassedesignen / Fotolia.com)


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